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Zahlen und Fakten

Stand Oktober 2004

Exakte Zahlen sind sicher nicht die Grundlage eines allgemein existierenden Mongolei-Bildes, das wird eher bestimmt von Klischees und Bildern aus der Viehzüchterwelt der Steppe. Der Betrachter baut sich oft auch ein eigenes Bild aus einigen wenigen Grundsatzinformationen zusammen, von dem er dann glaubt, dass es so vermittelt wäre. Vielleicht rückt die nachfolgende Kommentierung gesicherter statistischer Angaben da manches zurecht.

Wichtigster Indikator für die Wirtschaftskraft eines Landes ist ja das Bruttoinlandsprodukt (BIP), das zur Zeit für die Mongolei mit 560 USD/Kopf im Jahr angegeben wird. Bei dieser Zahl muss berücksichtigt werden, dass es sich natürlich nur um das statistisch erfasste BIP handelt. Anders als in Industriestaaten existiert in der Mongolei eine anteilsmäßig hohe Schattenwirtschaft, deren Leistungen natürlich nicht erfasst werden. Zu erwähnen wären als Beispiele, der illegale Export von Kaschmir nach China, die illegale Gewinnung von Gold, nicht erfasster Handel von Vieh und Fleisch und auch nicht versteuerte Erlöse im internationalen Tourismusgeschäft insbesondere bei Kleinunternehmen. Schätzungsweise dürfte die Größenordnung nicht erfassten BIP bei 20 Prozent des erfassten BIP liegen. Wenn man diese Argumentation akzeptiert, liegt das BIP somit bei 670 USD, ein Wert mit dem die Mongolei dann etwa auf Platz 170 der Rangliste aller 220 Länder läge. Das Wachstum des BIP beträgt etwa 5,6 Prozent, damit liegt sie innerhalb der 30 wachstumsstärksten Länder der Erde.

Gemeinhin wird die Mongolei ja als das Land der nomadisierenden Viehzüchter dargestellt, etwas anders sieht es dann aus, wenn man den Urbanisierungsgrad, betrachtet, der liegt bei 56 Prozent, das heißt, die Mehrzahl der Mongolen lebt in Städten und städtischen Siedlungen. Im Übrigen liegt die Gesamtbevölkerung bei 2,8 Mio. Einwohnern und davon leben derzeit 860 000 in der Hauptstadt Ulaanbaatar, wobei hier mit Sicherheit noch eine Dunkelziffer nicht umgemeldeter Einwohner, man schätzt bis zu 50 000, gerechnet werden muss. Das Bevölkerungswachstum fällt mit 1,4 Prozent moderat aus, es liegt etwa bei etwa Platz 109 weltweit, also im Mittelfeld. Das Durchschnittsalter bewegt sich bei 23,5 Jahren im Vergleich dazu liegt es in Deutschland bei 41,3 Jahren. Bei der durchschnittlichen Lebenserwartung von 62 Jahren für Männer und 66 Jahren für Frauen kommt die Mongolei auf Platz 160 im Weltvergleich.

Ein Indikator für die Lebenssituation der Bevölkerung kann die Anzahl der Personenkraftwagen bezogen auf die Bevölkerung sein. In der Mongolei rechnet man derzeit mit etwa 20 PKW auf 1000 Einwohner. Dieser Wert bringt sie im Länderranking auf Platz 153. Andere asiatische Länder im Vergleich, in China sind es 16, auf den Philippinen 10, in Vietnam 4 PKW pro 1000 Einwohner. In Bezug auf die Annahme moderner Technologien kann man als einen Indikator die Ausstattung mit Mobiltelefonen heranziehen. In der Mongolei verfügen 13,1 Prozent der Einwohner über ein Mobiltelefon, das ist beispielsweise deutlich mehr als in der Ukraine oder Moldawien. Betrachtet man nur den Teil der Bevölkerung, der im Bereich einer möglichen Mobilfunkerschließung lebt, dann verfügen in der Mongolei eigentlich etwa 24 Prozent der Bevölkerung über ein Mobiltelefon. Interessant ist auch die Zahl der privaten Internetanschlüsse, die liegt bei 15 pro 1'000 Einwohner, trotz sehr hoher Nutzungskosten, damit schiebt sich die Mongolei weltweit auf Platz 127, gleich mit der Ukraine und dreimal soviel wie in Kasachstan. Der Verbrauch an Elektroenergie liegt derzeit bei 809 Kilowattstunden je Einwohner im Jahr, das ist Platz 130 in der Weltliste und etwa der gleiche Wert wie in Ägypten.

 

Das Bildungsniveau über den Alphabetisierungsgrad betrachtet schiebt das Land weit vor, auf Platz 53 mit einer Alphabetisierungsrate von 99,1 Prozent. Es gibt hier zwar abweichende Angaben, aber selbst der niedrigste offiziell angegebene Wert von 95 Prozent lässt sie immer noch auf Platz 104 erscheinen, noch weit vor dem fast EU Mitglied Türkei mit 86,5 Prozent Alphabetisierung. So richtig punkten kann die Mongolei bei der Zahl der Studierenden. 22,49 Studenten gibt es bezogen auf 1000 Einwohner, damit schiebt sie sich auf Platz 48 der Weltliste noch vor Deutschland mit 21,85 Studenten je 1000 Einwohner.

Zur medizinischen Versorgung soviel, die Anzahl der Ärzte je 10.000 Einwohner liegt bei 23, Platz 52 in der Weltrangliste, damit ist diese Quote höher als beispielsweise in Irland. Bei den staatlichen Gesundheitsausgaben kommt sie mit 17,55 USD pro Jahr und Einwohner noch auf Platz 139, die mongolischen Ausgaben sind damit immerhin noch 5 mal so hoch wie in Nepal.

Kommen wir zu Zahlen an die jeder zu erst denkt, wenn er mongolische Wirtschaft meint, der Viehzucht. Bei der Anzahl der Schafe hat die Mongolei mit 5'380 Tieren bezogen auf 1'000 Einwohner den dritten Platz in der Welt inne, bei Rindern kommt sie mit 960 Tieren je 1'000 Einwohner immer noch auf Platz 10. Nimmt man beide Tierarten zusammen kommt die Mongolei mit 6'339 Tieren je 1'000 Einwohnern weltweit auf Platz 4. Interessant sind aber auch Zahlen zum Ackerbau mit 0,48 ha Ackerfläche je Einwohner rangiert die Mongolei auf Platz 26, zum Vergleich Deutschland verfügt über 0,15 ha pro Einwohner.

Letztendlich widerlegen diese Zahlen Aussagen, die immer wieder zu lesen sind, dass die Mongolei zu den ärmsten und unterentwickelten Ländern der Welt zu zählen wäre. Selbst im BIP pro Kopf, wo sie ihren schlechtesten Platz im Ranking erreicht hat sie noch etwa 50 Staaten hinter sich gelassen. In vielen Werten, die ein Indikator für den Entwicklungsstand eines Landes sein können liegt sie noch deutlich besser. Was den Bildungsstand anbetrifft rangiert sie sogar im Bereich der 50 Besten. In vielen Punkten stellt sie sich auch günstiger dar, als die ehemaligen Republiken der Sowjetunion.

Jens Geu

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