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Sächsische Unternehmer reisten mit Vertretern des Landkreises Mittweida in die Mongolei

Von J. Geu

Bereits seit einigen Jahren existieren Verbindungen zwischen der Verwaltung des Landkreises Mittweida und dem Khuvsgul Aimak im Norden der Mongolei. Im Rahmen eines Tacis Projektes der Europäischen Union weilten sowohl Mittweidaer Verwaltungsangestellte in Murun als auch umgekehrt. Es wurde ein regionaler Entwicklungsplan für die Region um den Khuvsgul See erarbeitet und ein Partnerschaftsvertrag unterzeichnet, indem unter anderem auch vereinbart war, wirtschaftliche Verbindungen der Regionen zu unterstützen. Der Initiative des Mittweidaer Landratsamtes ist es nun zu verdanken, dass dieser Punkt der Vereinbarung mit Leben erfüllt werden konnte. Am 27.Oktober reiste eine immerhin zehnköpfige Gruppe für eine Woche in die Mongolei. Mit dabei waren neben Mitarbeitern der Landkreisverwaltung diesmal auch Vertreter der Mittweidaer Hochschule und regionaler Unternehmen. Die von Landrat Dr. Andreas Schramm geleitete Gruppe deckte damit die Bereiche öffentliche Verwaltung, Bildung, Wasserkraft, Müllverarbeitung, Straßenbau und Fleischverarbeitung ab. Themen, die in der Mongolei im Brennpunkt des Interesses liegen. Organisiert und durchgeführt wurde das anspruchsvolle Programm vor Ort von der Firma Monrise. Neben den Kontakten mit der Aimakverwaltung Khuvsgul wurden aber auch noch speziell für die deutschen Unternehmer Treffen mit Partnern in Ulaanbaatar und Erdenet organisiert. Zu Erdenet bestehen seit knapp einem Jahr auch Beziehungen seitens der Mittweidaer Landkreisverwaltung. Die deutschen Fachleute für Wasserkraftanlagen besichtigten einige potenzielle Standorte im Bereich Murun und am Oberlauf des Eg-Flusses, die bereits bei ersten Voruntersuchungen ermittelt worden waren. Wasserkraft kann für einige Regionen in der Mongolei durchaus die Lösung einer dezentralen Energieerzeugung sein und damit die derzeitige uneffiziente Dieselverstromung ablösen. Zu diesem Ergebnis kamen auch die deutschen Fachleute, die vorrangig an einer Planung eines Kleinkraftwerkes für den Ort Chatgal am Khuvsgul See weiterarbeiten wollen.

Unternehmerreise

Im Bereich der Müllverarbeitung war vor allem die Stadt Erdenet für Ulrich Römer, von einem Zwickauer Entsorgungsfachbetrieb, von Interesse. Zwar hat auch die Stadt Murun Probleme bei der Müllentsorgung, aber hier kann bereits mit wenig Aufwand mittelfristig eine Lösung erreicht werden.

Die Straßenbauer im Team konnten auch Hoffnung auf mögliche Projekte schöpfen, denn neben dem Millenium Straßenprojekt wird auch am alten Road-Master Plan weitergearbeitet und das bedeutet zum Beispiel auch, dass das Projekt einer Straßenverbindung von Bulgan nach Murun wieder in den Bedarfsplan aufgenommen wurde. Außerdem hat das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit auf dem deutsch-mongolischen Wirtschaftstag im September die Förderung des Baues von Straßen auf regionaler Ebene eindeutig als Entwicklungshilfeschwerpunkt herausgestellt. Da sollte man meinen, dass die Arbeit für das bereits existierende deutsch-mongolische Joint Venture „Monroad-Verkehrsplanung“ gesichert ist.

Gefragter Gesprächspartner bei interessierten mongolischen Unternehmern war auch Uwe Oswald von der Firma von der Firma Schott, die hauptsächlich Lebensmittelfirmen ausstattet. Hier zeigte sich der wachsende Bedarf an Ausrüstungen für Schlacht- und Verarbeitungsbetriebe in der Mongolei. Für Professor Manfred Totzauer, den Rektor der Hochschule in Mittweida, war es nicht der erste Besuch in der Mongolei. Seit einigen Jahren kommen inzwischen Studienbewerber aus der Mongolei nach Mittweida und bilden dort nunmehr die zweitgrößte ausländische Studentengemeinde. Neben offiziellen Terminen, unter anderem mit der mongolischen Technischen Universität, ließ er es sich auch nicht nehmen, mit Eltern mongolischer Studenten in Mittweida zu sprechen.

Bei Gesprächen in der deutschen Botschaft und im GTZ Büro in Ulaanbaatar wurden Möglichkeiten der Förderung von Projekten erörtert, da insbesondere für die Wasserkraftnutzung und die Müllentsorgung ohne finanzielle Unterstützung nur schwer realisierbare Lösungen erreicht werden können.

Auch für mongolische Offizielle war die deutsche Delegation von Interesse. Neben den Gouverneuren der beiden Partnerregionen suchten auch mehrere Parlamentsabgeordnete das Gespräch mit der Gruppe aus Sachsen und es wurden bei weitem nicht nur Höflichkeitsbezeugungen ausgetauscht. Zwar sind die Möglichkeiten einer deutschen Landkreisverwaltung bei der internationalen Zusammenarbeit beschränkt und entscheidend davon abhängig, dass eine konkrete Projektförderung durch Dritte erfolgt, aber dieser Besuch hat eigentlich gezeigt, dass Engagement in der Sache durchaus auch ohne größeren Mitteleinsatz etwas bewirken kann. Neben der Festigung der partnerschaftlichen Beziehungen der lokalen Verwaltungen sind Verbindungen zwischen Unternehmen geknüpft worden und eine deutsche Investition im Bereich der Wasserkraftnutzung am Khuvsgul See in greifbare Nähe gerückt.

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