Ulaanbaatar bei Nacht für Touristen
Das, was noch vor gut zehn Jahren undenkbar, ja unaussprechlich war, ist
nunmehr eingetreten. Ulaanbaatar hat ein eigenes Nachtleben. Bestand das Nachtleben
damals noch ausschließlich aus gelegentlichen Treffs mit Freunden in der Neubauwohnung
und dem Genuss von Wodka und Kartoffelsalat, so ist heute schon ein Überangebot
an Kneipen und Bars der Ort für allerlei Vergnügungen.
Aus ehemals fünf (!) staatlichen Restaurants sind heute über 500 private
geworden. Wobei die meisten nicht mal schlecht ausgestattet sind. Das absolute
Muss für Deutsche ist dabei natürlich das Khan-Bräu im Stadtzentrum. In warmen
Nächten ist hier bis mindestens zwei Uhr volles Haus im Biergarten. Diesen
Sommer gings bei 40 °C Tagestemperatur nachts dann auch schon mal bis
vier Uhr. Das "deutsche" Bier fließt hier in Strömen und Live-Musik ist auch
nicht selten. Das wichtigste am Khan-Bräu ist aber das Publikum und dass man
hier gesehen wird. Hier wird grundsätzlich vor der Terrasse geparkt, so dass
man seinen aufgemotzten Geländewagen, das Motorrad oder auch den Mercedes
vor aller Augen positionieren kann. Direkt gegenüber wirbt das "The West"
mit poppiger Lichtreklame. Das ist allerdings wesentlich besser ausgestattet
und man sitzt bei Chart-Musik und Italo-Schlager in einem kleinen hübsch beleuchteten
Park.
Die andere Seite von Khan-Bräu hat ein Restaurant eingenommen, dass den
Anspruch erhebt, die beste Küche in UB zu präsentieren. Fünf Schritte weiter
hat die unmittelbare Braukonkurrenz zu Khan-Bier mit dem Namen Tshingis und
einem ebenfalls deutschen Braumeister den Kampf angetreten. Die Liste der
Kneipen ließe sich noch ewig fortsetzen. Man kann deshalb nur sagen: selber
probieren, zumal die meisten mit irgend einem Gag werben. Es existiert auch
kein besonderes System, so kann man inmitten der Neubaugebiete unter Umständen
bessere Locations als in dem touristisch erschlossenen Stadtzentrum finden.
Bei Restaurants ist das Bild ähnlich. Es gibt auch eine ganze Reihe von
echten Nationalitätenrestaurants, so kann man heute Türkisch, Japanisch, Koreanisch,
Russisch, Deutsch, Indisch, Bulgarisch und natürlich Chinesisch Essen gehen.
Wären da noch die Clubs und Diskotheken.
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Der unter Touristen bekannteste ist "The Bridge", wohl auch einer der teuersten.
Das Publikum besteht neben auffallend hübschen Mädchen aus zumeist älteren
Ausländern, die bei Disko-Musik zu Hochform auflaufen. So richtig los geht's
im Karlsberg-Klub. Diese Riesendisko ist fast immer voll, allerdings mit relativ
jungem mongolischen Publikum in ziemlich up-to-daten Outfit, auf jeden Fall
was für Auge und Ohr, wenn man auf Techno steht.
Das ganze Gegenteil ist der "Business Club". Speziell für neureiche Chinesen
eingerichtet strotzt der protzige Laden mit Riesensofas, dunklen Ecken und
abscheulichen Disco-Oldies und Schlagerfetzen. Das fast ausschließlich chinesische
Publikum langweilt sich zu Tode oder beschäftigt sich mit 30 Animierdamen
(alle über 1,70 m). Mit Ende des Striptease-Programmes gegen ein Uhr verschwindet
dann auch der letzte Chinese. Um die Zeit geht es beispielsweise im "TopTen"
erst los. Gemischtes Publikum und gute DJs kämpfen um das gemeinsame Ziel,
die Tanzfläche bis mindestens vier Uhr voll zu halten.
Empfehlenswert ist auch der "Club Maritim" im Obergeschoss eines
koreanischen Restaurantkomplexes. Der Club besticht durch bestes technisches
Equipment, gutes Programm und ausgesprochen hübsches Personal. Im Sommer geht
es in der Großdisko "Hard Rock" sogar im Freien richtig los. Die
Kinos im von UB zeigen im allgemeinen das aktuelle englischsprachige Programm
und sind für den Touristen sicher weniger das Ziel.
Interessant wäre aber noch die Livemusikszene. Neben kleinen Events meist
in den Klubs sind die Höhepunkte die Livekonzerte der drei großen mongolischen
Rockbands "Har Sarnai" (Black Rose), "Haranga" und "Hurd",
die ihres gleichen in Asien suchen.
Also, wer heute ein Paar Tage in Ulaanbaatar auf den Beginn seiner Reise
in das Land warten muss, der braucht nicht bange zu sein, dass die Zeit lang
wird.
Jens Geu
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